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Motorrad-Fahrverbote

Während laut aufheulende Motoren seit jeher Biker-Herzen höherschlagen lassen, klagen Anwohner vielbefahrener Strecken lautstark über Lärmbelästigung und fordern Konsequenzen. Der charakteristische Motorrad-Sound steht im Mittelpunkt der derzeitigen Kontroverse um mögliche Fahrverbote für Zweiräder. Am ersten Juli-Wochenende zogen deutschlandweit tausende Motorradfahrer auf die Straße, um gegen derartige Bestrebungen zu demonstrieren. Scheinbar mit Erfolg: Verkehrsminister Scheuer erteilte zuletzt den Forderungen nach Verboten eine deutliche Absage. Aber der Reihe nach.

Die politische Debatte

Mitte Mai hat der Bundesrat eine Initiative zur Begrenzung der Geräuschemission von Motorrädern auf den Weg gebracht, auch entsprechende Tuning-Eingriffe sollen demnach härter bestraft werden. In diesem Zusammenhang wurde auch über vereinzelte Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen diskutiert.

Der Beschluss des Bundesrats bedeutet politisch jedoch lediglich eine Empfehlung, die Umsetzung obliegt der Bundesregierung. Im zuständigen Verkehrsministerium sieht man im Unterschied zum Bundesrat keinen „dringenden Handlungsbedarf“, die bestehende Gesetzeslage sei ausreichend, um Lärmsünder aus dem Verkehr zu ziehen.

„Lärmterror“ in der ländlichen Idylle

Befürworter der Initiative sind vor allem Anwohner und Ausflügler entlang der beliebtesten Motorrad-Routen in Schwarzwald, Eifel oder Sauerland. In den Tagesthemen berichtete kürzlich eine Dorfbewohnerin im baden-württembergischen Schopfheim-Kürnberg, von bis zu 150 Motorräder pro Stunde, die in der Hochsaison den Ort passieren.

Eine Studie von Umweltbundesamt, BUND und dem europäischen Motorrad-Herstellerverband ACEM scheint derartige Zahlen zu bestätigen. Demnach seien tausend Biker an manchen Hotspots keine Seltenheit, rund ein Drittel davon fielen durch überdurchschnittliche Lärmbelästigung auf.  

Ein Hobby unter Generalverdacht?

Die Motorradfahrer fühlen sich angesichts der Vorwürfe zu Unrecht unter Generalverdacht gestellt. Anstatt Kollektivstrafe wünschen sich die Biker hierzulande mehrheitlich die gezielte Bestrafung von Verkehrs- und Temposündern. Der Bundesverband der Motorradfahrer e.V. (BDVM) sieht zudem „die Hersteller ganz massiv in der Verantwortung“.

Tatsächlich ist der Klang moderner Motorräder kein Zufall oder notwendiges Übel, sondern das Ergebnis sorgfältig entwickelter Konstruktionen und Sounddesigns. Das dahinterstehende Kalkül: Die charakteristischen Sounds transportieren Image, verheißen Fahrvergnügen und sind somit ein bedeutsames Kaufargument. Ein vergleichbares Phänomen findet sich in der Staubsauger-Branche: Auch hier ginge es deutlich leiser, allerdings verbindet die Käuferschaft den Geräuschpegel mit Leistungsfähigkeit.    

Vorbild Österreich?

Um die heimische Bevölkerung gegen den „überbordenden Motorradlärm“ zu schützen, hat Tirol vom 10. Juni bis zum 31. Oktober diesen Jahres auf bestimmten Strecken ein Fahrverbot für Maschinen mit einem Standgeräusch von über 95 Dezibel verhängt. Eine Zuwiderhandlung wird mit Bußgeldern von bis zu 220 Euro geahndet.

Die Tiroler Gesetzesinitiative ist die erste dieser Art in Europa. Ob die Maßnahmen den gewünschten Erfolg bringen und den Lärmpegel auf ein für die Anwohner verträgliches Maß reduzieren, bleibt abzuwarten. In Deutschland ist ein vergleichbares Vorgehen aktuell politisch ausgeschlossen. Jedoch ist zu erwarten, dass die europäischen Nachbarn die Entwicklungen in Österreich aufmerksam verfolgen.   

Lösungsansätze

Obwohl Verkehrsminister Scheuer den Empfehlungen des Bundesrates eine deutliche Absage erteilt hat, bleiben die Fronten weiterhin verhärtet. Tatsächlich ist die Streckensperrung ein gesetzliches Mittel, an welchem sich die lokalen Verkehrsbehörden bereits heute bedienen können und auch vereinzelt tun.

Eine gewisse Lautstärke ist und bleibt für Biker fester Bestandteil des Fahrvergnügens. Gleichzeitig ist ein Umdenken seitens Hersteller und Verbraucher möglich. Im Interview mit dem Spiegel mutmaßt Sounddesigner Thomas Görne, dass sich der entscheidende Effekt, die für den Fahrer spürbare Vibration, auch mit reduzierter Lautstärke erreichen ließe.

Wie ein konstruktives und rücksichtsvolles Miteinander der sich gegenüberstehenden Parteien aussehen könnte, zeigt indes die Initiative „Silent Rider“, ein Zusammenschluss von Kommunen im Nationalpark Eifel.

Für Biker bleibt die effektivste Waffe im Kampf für die eigene Sache, mit gutem Beispiel voran zu gehen und insbesondere innerhalb von Ortschaften den Lärm bewusst zu drosseln. Letztlich, so sagt auch Karin Karrasch vom BVDM, hat es „jeder in der Gashand, ob er leise oder laut fährt.“

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